Geschichtsstunde

Wisperschule in Lorch im Rheingau

Aufgepasst! Sie wohnen in einem Haus mit Geschichte

Die alte Wisperschule ist Vergangenheit. Mit dem Hotel Im Schulhaus beginnt ein neues Kapitel "Schulgeschichte" in Lorch. Wir setzen auf (Schul) Tage ganz ohne Stress, ohne Klassenbucheinträge und blaue Briefe. Doch weil wir ein Haus mit Vergangenheit sind, halten wir auch die Erinnerung an die alten Zeiten wach. Die große Schuluhr haben wir ins Hier und Heute herüber gerettet. Doch keine Sorge, die schrille Schulglocke ist außer Gefecht gesetzt.

Festliche Einweihung der Wisperschule im Jahre 1933

Festliche Einweihung der Wisperschule im Jahre 1933

Schultüten und glänzende Augen bei der Einschulung 1961

Schultüten und glänzende Augen bei der Einschulung 1961

Soldaten-Vereidigung auf dem Schulhof der Wisperschule - 1962

Soldaten-Vereidigung auf dem Schulhof der Wisperschule - 1962

Rektor Wahler überblickt den Schulhof vom Balkon des Rektorenzimmers  - 1933

Rektor Wahler überblickt den Schulhof vom Balkon des Rektorenzimmers - 1933

Die Wisperschule im Schulbetrieb, ca. 2009

Die Wisperschule im Schulbetrieb, ca. 2009

Der letzte Schrei - Bauhaus

Das Schulhaus ist ein Kulturdenkmal aus dem Jahr 1933 und wird in seiner Ausführung dem späten Bauhaus-Stil zugeschrieben. Im Jahr 1919 von Walter Gropius in Weimar als Kunstschule gegründet, waren die Ideen, die in dieser Stilrichtung verwirklicht wurden, damals etwas völlig Neues: ein Zeugnis der Avantgarde der klassischen Moderne in Architektur, Kunst und Design. Sie bildeten einen Gegenentwurf zur Ästhetik des Historismus mit seinen kunsthandwerklich entwickelten Ornamenten. An ihre Stelle trat eine neue Sachlichkeit.

Die Historie der alten Wisperschule in Lorch

Viele Lorcher Bürger erinnern sich noch an ihre Schulzeit in der alten Wisperschule. Auch Franziska Breuer-Hadwiger, die das alte Schulhaus erwarb und zum Hotel umgestalten ließ, ist hier zur Schule gegangen.

Damit die Geschichte des Hauses auch für unsere Gäste nachvollziehbar wird, haben wir die einzelnen Stationen in einem kleinen Überblick festgehalten:

  • 1929: Die Gemeinde Lorch fasst den Beschluss zum Kauf des Grundstücks an der Schwalbacher Straße. Der Kaufpreis beträgt 27.000 Reichsmark
  • Oktober 1930: Die Gemeindeversammlung stimmt dem Kauf zu
  • 1931/32: Der Schulneubau verzögert sich und wäre fast gescheitert, da Lorch nicht die nötigen Mittel aufbringen konnte. Abstriche mussten gemacht werden, um die ursprünglich veranschlagten Kosten von 240.000 Reichsmark auf 140.000 Reichmark zu reduzieren.
  • 22. Juni 1932: Die Honoratioren trafen sich zum ersten Spatenstich.
  • 30. Oktober 1933: Die Wisperschule wurde mit einem großen Festumzug eingeweiht.
  • 2006/2007: Für die Wisperschule brach das letzte Schuljahr an. Lediglich während der Umbaumaßnahmen an der heutigen, neuen  Wisperschule war in dem alten Gebäude noch einmal für einige Monate die Grundschule untergebracht
  • Von 2008 bis 2010 träumte das alte Schulhaus einer neuen Nutzung entgegen.
  • Am 17. Mai 2011 unterzeichnete Franziska Breuer-Hadwiger die Urkunde und erwarb die alte Wisperschule.
  • Im Januar 2012 erfolgte der ersten Spatenstich für den ergänzenden Neubau
  • Am 05. Oktobe 2012 wurde zur öffentlichen Baustellenbesichtigung eingeladen, an der rund 400 interessierte Besucher teilnahmen.
  • Eröffnung des Hotel Im Schulhaus im April 2013

Es war einmal

… Ostern 1956, da wurde wieder ein „starker“ Jahrgang eingeschult. Eine der neuen ABC-Schützen hieß Franziska Breuer. Sie hatte täglich einen schönen Schulweg vom Weingut Altenkirch im Binger Weg bis in die Schwalbacher Straße. Klar, dass sie da die eine oder andere Pause einlegte, um mit ihren Schulfreundinnen zu erzählen und manchmal die Zeit zu vergessen. Und es gab Begegnungen mit Menschen, die sie bis heute in Erinnerung hat: den netten Schreibwarenhändler Hubert Holz in der Rheinstraße, oder Frau Ketty Schwarz, die aus ihrem großen geflochtenen Korb Backwaren aus der benachbarten Bäckerei zur Pause verkaufte: Amerikaner, Harte-Kuchen, Mohn- oder Salzstangen. Noch heute hat sie den Duft des frischen Backwerks in der Nase.

  • Hannelore Schwab hat viel Zeit in der Schule verbracht. Als Schülerin in der alten Wisperschule - und später dann als Schulsekretärin in der neuen Wisperschule.
  • Das war ein Gewusel und ein Gezwitscher, und es konnte gar nicht schnell genug gehen, wenn sich die Schülerinnen und Schüler in der Bäckerei Schwarz mit Schulproviant versorgten. Manche kauften täglich süße Stückchen, aber die Bäckersfrau Schwarz hat sie nie verraten. Heute kaufen die Schulkinder ihren Proviant im Backhaus Laquai oder im Backhaus Dries, die auch beide das Hotel mit frischen Backwaren beliefern.
  • Ach ja, der Schulhof … Wie viele kleine Füsse mögen hier wohl rumgesprungen sein. Beim Fußball und beim Nachlauf spielen, beim Gummi-Twist, beim Völkerball oder beim heimlichen Einüben von wilden Tänzen, wie sie in diesen Jahren üblich waren. Murmeln oder auch Klicker, wie es im Rheingau heißt, fand man noch einige beim Anlegen der neuen Außenbereiche. Die Bauarbeiter durften sie behalten.
  • Doch nicht nur schulischen Zwecken diente der große Schulhof. Im Jahre 1961 wurde er zur Vereidigung der Soldaten genutzt. Einige Bürger erinnern sich noch genau daran.
  • Auch Cowboys, Indianer, Prinzessinnen und sogar Schneewittchen wurden im alten Schulhaus gesehen. An Fastnacht herrscht Narrenfreiheit im Rheingau - gestern, heute und wer weiß, vielleicht auch noch morgen und übermorgen. An die tollen Tage im Schulhaus denkt man gerne zurück. Das waren verrückte Zeiten …

„Mit dem neuen Leben, das jetzt in die alte Wisperschule einzieht, werden viele Erinnerungen wieder wach. Man müsste alles aufschreiben, damit es nicht in Vergessenheit gerät.“

Jürgen Helbing, Bürgermeister, Lorch

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